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14.08.2019

Lach Diamant goes Sachsen

Eine deutsch-deutsche Geschichte

Horst Lach, der Senior-Geschäftsführer der Lach Diamant Jakob Lach GmbH & Co. KG, hat uns einen sehr besonderen Anwenderbericht übersandt. Die Geschichte ist nicht ganz jung: sie spielt rund um die deutsche Wende. Dabei geht es um den Trabi, VW, ein Stück deutsche Geschichte - und natürlich um Werkzeuge von Lach.

Autor: Horst Lach

Ursprünglich wollte ich diese Geschichte mit „Es war einmal – so fangen alle Märchen an“ beginnen lassen – aber dafür ist sie viel zu ernst, lebendig und von einmaligen Fakten geprägt, um sie diesen Anfang nehmen zu lassen…

„Trabi“ als Spielzeug - auch vermarktet für den West-Markt. © Lach Diamant

Der eine Teil der deutschen Geschichte hat es nach seiner Teilung besser als der andere, der, staatlich Ideologie-geprägte, weniger gut getroffen. Für die Bürger des östlichen Teils war dazu seit dem Bau einer trennenden Mauer seit dem 13. August 1961 jegliche (normale) Möglichkeit genommen, in den westlichen Teil überzuwechseln. Entsprechend konnten sich danach Lebensumstände und Prioritäten totalitär gesteuert konträr entwickeln.

Der 3 Millionste Trabant als 4-Zylinder (aufgenommen 1990 im heutigen August Horsch-Museum in Zwickau) © Lach Diamant

Der Westen feierte die freie Marktwirtschaft – erfolgreich, der Osten kämpfte mehr und mehr um Devisen, um zu überleben – die mit Devisenbeschaffung ausgewählten Industriebetriebe bzw. Schwerindustrie hatten unter der maßgeblichen Leitung des Devisenbeschaffers Alexander Schalck-Golodkowski stets oberste Priorität. Im Inland gab es – im Vergleich zum Nachbarn – so gut wie keine Konkurrenz, kein Markenwettbewerb, was sich für den Bürger, den Verbraucher, in ermüdenden Lieferzeiten des täglichen Bedarfs niederschlug; beispielsweise warten auf eine neue Waschmaschine drei Jahre – oder etwa auf ein Auto – bis zu 14 Jahre… dabei handelte es sich um den seit Jahrzehnten nur um kleine Nuancen weiter entwickelten „Plastikbomber“ den sogenannten „Trabi“ (Trabant) und Wartburg.

Ende der 80er Jahre kamen auf 1000 Bewohner 200 Fahrzeuge

Blick in das Innenleben eines Trabis © Bernd Straube 2019

An den (verzweifelten) Ingenieuren soll es nicht gelegen haben. In der DDR-Automobil-Industrie gab es genügend Ideen: Beispielsweise die eine moderne Schrägheck-Karosse bis zur Commonrail-Dieseltechnik. Erst vor einigen Jahren gab es eine Diskussion, ob die DDR den VW-Golf erfunden habe – was jedoch nicht zutrifft (Focus 10/2014). Ende der 80er Jahre kamen auf 1000 Bewohner etwa 200 Fahrzeuge; im Westen doppelt so viele. Verwunderlich ist es daher nicht, dass sich die SED-Führung 1977 entschloss, bei VW 10.000 Golf zu kaufen. VW-Chef Toni Schmücker hoffte auf ein ständiges Geschäft und entsprechende Anschlussaufträge. Mitnichten.

Lebhaft kann man sich vorstellen, dass die neuen Lenker dieser Fahrzeuge zu einer besonders privilegierten Polit-Klasse gehörten. Ich gehe wohl richtig in meiner Annahme, dass nach Durchschreiten der seinerzeitigen Ölkrise der Wunsch nach stärkeren Motoren wieder zunahm. Auch die DDR konnte zwischenzeitlich „aufatmen“; der überraschende Milliardenkredit der Bundesrepublik für die DDR – eingefädelt von Franz Josef Strauß – befreite erstmals aus arger finanzieller Klemme wegen riesiger Auslandsschulden (und verlängerte vermutlich die Existenz der DDR).

Der Plan: VW-Motoren in Wartburg und Trabant einbauen

In den VW-Werken Hannover und Salzgitter gab es damals zwei Fertigungsstraßen für kleinere Motoren. Beide waren schlecht ausgelastet. Einfach ausgedrückt, eine war zu viel – und die DDR hatte dafür Bedarf… Laut Spiegel 7/1984 fädelte der CDU-Politiker und VW-Aufsichtsrat Walther Leisler-Kiep das Geschäft mit der DDR ein. Einzelheiten dieses Plans, was der DDR keine Devisen kosten sollte, stammten von VW-Chef Hahn. Dieses Angebot und Projekt wurde erstmals im Juni 1982 in Ost-Berlin unterbreitet. Als anschließend Versuche ergaben, dass sich die VW-Motoren ohne Probleme in Wartburg und Trabant einbauen lassen, war der Durchbruch geschafft und das Geschäft perfekt. Bis 1988, so der Plan, sollte VW der DDR eine komplette Fertigungsanlage für jährlich 290.000 Motoren aufbauen. Im Gegengeschäft sollte Wolfsburg bis 1993 insgesamt über 15.000 VW-Transporter liefern. Alles in allem ging es nur um 600 Mio. Mark – doch Hahn kommentierte – es wird ein Dauerbrenner.

Allseits war man davon überzeugt, dass der Volkswagen-Konzern nunmehr zum wichtigsten Helfer der geplanten Modernisierung der ostdeutschen Automobil-Industrie wurde. Denn bis dato waren der in Eisenach hergestellte Wartburg sowie der in Zwickau hergestellte Trabant – immer noch mit Zweitakt-Motoren angetrieben – völlig veraltet – wenig Leistung, zu hoher Spritverbrauch, der noch dazu die Umwelt belastete.

Technische Infos zu Trabant:
Motor: 26 PS
Verbrauch: Auf 100 km bis zu 10 Liter Benzin-Öl-Gemisch
Spitzengeschwindigkeit: 100 km/h

In der von VW gelieferten Fertigungsstraße sollten von 1988 an nur noch moderne wassergekühlte Vierzylinder-Viertakt-Motoren in DDR-Autos eingebaut werden. Im neu erbauten Werk Chemnitz sollten die bisher den VW-Golf antreibenden Motoren von 40 bzw. 55 PS (1100 bzw. 1300 Hubraum) gebaut werden; gleiches galt für eine Diesel-Version. 190.000 Motoren sollten davon für den eigenen Bedarf – weitere 100.000 für VW gebaut werden. Endlich im Oktober 1988 – nach dem Ende der Leipziger Herbstmesse – konnte der 1984 geplante Beginn einer neuen Ära der DDR-Autoindustrie seinen Lauf nehmen. Endlich weg von dem töff-töff der Zweitakt Autos namens Trabant und Wartburg auch in der DDR?

Für 30.000 DDR-Mark bleibt der Trabi ein Auto für die Oberschicht

Abgesehen von Lieferschwierigkeiten, die sich nicht nur bei der Planerfüllung bei Zubehörteilen bemerkbar machten, kam die Industrie auch bei auszuliefernden Modellen alter Prägung in Verzug. Hinzu kam, dass sich nach Auslieferung der ersten Autos mit Viertakt-Motor unter den DDR-Bürgern schnell Ernüchterung und Enttäuschung breit machte. Ein neuer Motor machte eben noch kein neues Auto. Dazu schreckte der unverhältnismäßig hohe Preis für beispielsweise einen Wartburg von über 30.000 DDR-Mark viele Käufer ab – die meisten konnten sich das nicht leisten. Das blieb nur der Oberschicht, Funktionären oder einzelnen Handwerkern vorbehalten.

Lieferung und Inbetriebnahme der von VW gelieferten Linie für die Vierzylinder-Fertigung bescherte den Ingenieuren und Werkern erstmals auf breiter Basis technologische Erkenntnisse, die ihnen bis dato nicht zugänglich waren. Allen voran als Beispiel die Bearbeitung bzw. Zerspanung von Aluminium in der Motoren- und Zubehör-Fertigung – wobei wir jetzt bei „Diamant“ angelangt wären. Polykristalline Schneiden, die der westlichen Industrie seit 1973 zur Verfügung standen waren entweder unbekannt oder standen der DDR-Werkzeugfertigung schon allein wegen unzureichender Devisen nicht zur Verfügung.

Schneidenmaterial für NE-Metalle nicht lotfähig

Eingesintertes Komposit-Material (Elbor) © Lach Diamant

Man musste sich bei der Bearbeitung von NE-Metallen, wie Aluminium und Kupfer und Komposit-Werkstoffen entweder mit den zur Verfügung stehenden Hartmetallsorten begnügen oder mit den in der seinerzeitigen UdSSR gepressten Diamant- oder CBN-Komposit-Rundlingen. Allerdings hatten diese „Schneidköpfe“ einen elementaren Nachteil: Im Vergleich zu dem Erfolgsprodukt „compax™“ des seinerzeitigen Diamant-Herstellers General Electric, war dieses Schneiden-Material nicht lötfähig – es fehlte der für eine erfolgreiche Lötung erforderliche „Hartmetall-Unterbau“. Wie sich aus dem Forschungsbericht beiliegender Zeichnungen und Case Histories entnehmen lässt, musste man die aus dem Komposit-Teil (mühsam) geschliffene Schneide entweder mit dem Halter verklemmen oder sogar kleben! (Beispiel Feinausbohren von Getriebegehäusen).

Verwunderlich ist es daher nicht, dass zusätzlich zu dem UdSSR-Schneidstoff, das als „SKM“ in der DDR bezeichnet wurde, selbst bei der Motorenfertigung noch viele Naturdiamantwerkzeuge eingesetzt wurden. Als der Volkswagen Konzern Ende der 70er Jahre in den Werken Salzgitter und Braunschweig die Fertigungslinien für den Vierzylinder-Polo-Motor aufbaute und dem polykristallinen Diamanten (PKD) mehr und mehr den Vorzug gab, war Lach Diamant als Pionier in Entwicklung und Fertigung von PKD-Werkzeugen gefragt und nach mir vorliegenden Unterlagen Alleinausrüster. Bis zum Zeitpunkt der Leipziger Frühjahrsmesse 1988 hatten wir keinerlei Geschäftsverbindung zur seinerzeitigen DDR beziehungsweise dem für den Einkauf vorgeschalteten volkseigenen Außenhandelsbetrieb der DDR – kurz WMW Export-Import genannt – ein Firmengeflecht das Schalck-Golodkowski unterstand.

Der erste Auftrag mit der Bitte um "Fernschreiber-Bestätigung"

Der Start Bestellung polykristalline Diamanten für die Fertigung der ersten „Polo-Motoren“ in der DDR. © Lach Diamant

Wie groß muss Mitte des Jahres 1988 der Druck auf die Staatsführung – „Wir sind das Volk“ – gewesen sein, dass man auf Biegen und Brechen auf der Leipziger Herbstmesse dem Volk ein Bonbon – ein großes Highlight – präsentieren wollte – Vierzylinder Motoren für den Trabant und Wartburg made in Karl-Marx-Stadt und Eisenach. Nachvollziehbar ist die gleichzeitig bei den Einkaufsgesellschaften auftretende Hektik, den Ablauf der Produktion sicher zu stellen – überraschend erreichte so Lach Diamant am 05. August 1988 ein Fernschreiben als Eil-Auftrag über 1.310 PKD-Schneidplatten mit der Maßgabe, diese spätestens bis zum 30. November zu liefern. An diesen Vorab-Auftrag war eine Anfrage über ca. 4.000 weitere PKDSchneidplatten angehängt mit der gleichfalls dringenden Aufforderung, diese umgehend per Fernschreiben anzubieten. Leicht kann man sich vorstellen, dass dies auch in unserem Hause große Betriebsamkeit auslöste.

Vertrag – polykristalline Diamanten für die Fertigung der ersten „Polo-Motoren“ in der DDR. © Lach Diamant

Die bestellten beziehungsweise zusätzlich angefragten PKD-Schneidplatten ließen sich unschwer als die bei VW laufenden und eingesetzten Lach-Schneidplatten für Dreh- und Fräs-Aufgaben in deren Motorenfertigung zuordnen. VW hatte im Rahmen der an die DDR übergebene Funktionsgarantie Lach als Lieferant vorgeschrieben. Bei uns war ab sofort Herr Dipl.-Ing. Günter Hobohm und Herr Konrad Stibitz mit der technischen Abwicklung dieses seinerzeit als Groß-Projekt eingestuften Auftrags betraut. Herr Gerd Gottschalk (†) als Leiter Export, hatte die nicht minder leichte Aufgabe in Gesprächen mit WMW Plauen und Berlin die noch ausstehenden endgültigen Vertragsverhandlungen, die letztendlich in meiner Anwesenheit am 25. Oktober 1988 in Plauen mit zwei Verträgen zum Abschluss kamen, zu finalisieren.

Die gesamten Lieferverträge umfassten am Ende 560.000 DM. Vereinbarungsgemäß und pünktlich wurde der erste Teil des Auftrags am 31. Oktober 1988 und der Rest am 13. Dezember 1988 ausgeliefert. Der „poly“ konnte in den Betrieben auch in der DDR nunmehr seinen Eingang finden – das betraf nicht nur PKD-Werkzeuge für die Zerspanung von NE-Metallen, sondern auch solche für die Möbelfertigung, die in der ehemaligen DDR immerhin von fünf Möbel-Kombinaten repräsentiert wurden. Auch hier – bis auf wenige Diamant-Versuchswerkzeuge, die vom Werkzeughersteller Ledermann & Co. geliefert wurden, war das Hartmetall-Werkzeug das vorherrschende Holz- und Komposit-Bearbeitungsmittel.

Die Wende kommt - und mit ihr bricht ein neues Zeitalter an

Der Fall der Mauer – 09. November 1989 © action press/Succo, R.

Der Fall der Mauer – 09. November 1989 © action press/Succo, R.

Die Wende kam mit dem Fall der Mauer am 09. November 1989 – bis zur deutschdeutschen Wiedervereinigung lebten wir in der sogenannten „Wendezeit“. Es war eine Zeit des Aufbruchs – auf beiden Seiten. Mit Herrn Gottschalk bereiste und besichtigte ich in dieser Zeit viele Betriebe in der DDR – überwiegend mit klangvollen Namen wie Heckert-Werke und Forschungszentrum im heutigen Chemnitz, den Elektronik- und Buchungsmaschinen-Hersteller Robotron, die Wismut, den VEB Kombinat Getriebe und Kupplungen, Magdeburg, den Werkzeughersteller Geringswalde und den Schleifmittelhersteller Reick in Dresden sowie die Diamant-Schleiferei in Quedlinburg und und und. Nachdem auch nunmehr aus unterschiedlichen Industriebetrieben Anfragen nach den endlich verfügbaren „poly“-Werkzeugen uns erreichten – gepaart übrigens auch mit Anfragen über Diamant-Abrichtrollen und Schleifscheiben – und den nunmehr neu offengelegten Bedarf an PKD-Dia-Werkzeugen für die Möbelindustrie – fasste ich einen Entschluss: Lach Diamant muss sich in der „brachliegenden“ Industrielandschaft durch Service und Beratung etablieren.

Besichtigung von DDR Betrieben in der Wendezeit, Beispiel Schleifmittelwerk Reick in Dresden. © Lach Diamant

Erst recht als ich wahrnahm, dass für den eventuellen Service für das Nachschleifen/Schärfen von PKD-Werkzeugen nur zwei Schleifmaschinen für das gesamte Gebiet der DDR zur Verfügung standen: In Jena beispielsweise eine für SKM (Komposit) umgebaute alte SWU-Schleifmaschine und eine zweite, die im Forschungsbetrieb der Heckert-Werke im heutigen Chemnitz stand. Herr Dr. Ing. Stefan Becker, der sich 1990 als Repräsentant für „Ost-Deutschland“ anschloss, bestärkte uns in diesem Vorgehen – mit dem Ergebnis, dass binnen weniger Monate fünf frisch gebackene Außendienstmitarbeiter Knowhow und Leistung von Lach an die „potenten“ Betriebe Ost vermittelten.

Unterwegs in der ehemaligen DDR in der Wendezeit. © Lach Diamant

Doch leider – leider – wurden diese „potenten Betriebe“ immer weniger – entweder kam der nunmehr einsetzende Leistungsdruck zu plötzlich, das betriebswirtschaftlich erforderliche Kapital und Inventar war nicht vorhanden, oder das für den Aufschwung benötigte Knowhow – sprich Arbeitskraft – war durch die zwischenzeitlich einsetzende Abwanderung gen Westen schlicht nicht mehr ausreichend vorhanden; von anderen Einflüssen möchte ich an dieser Stelle lieber nichts sagen… Kurz um, mangels erwirtschafteter Masse musste sich unser Engagement mehr und mehr reduzieren. Aber – da waren jetzt ja noch die über das VW-Projekt in die DDR gelieferten Diamanten – die sollten bei laufender Motorenfertigung doch Schleifservice brauchen…

Telefonisches Vorstellungsgespräch: bei nur 100 Telefonleitungen zwischen West und Ost

Am 4. Februar 1991 hatten wir dazu das Projekt „Lach Diamant goes Sachsen“ gestartet. Im Dezember 90 waren wir bei der Suche nach einem Leiter dieses Projekts in Herrn Dipl.-Ing. Bernd Straube fündig geworden. Allerdings, so muss vermeldet werden, gestaltete sich sein Vorstellungsgespräch in Hanau aufgrund nur max. 100 freigeschalteter Telefonleitungen Ost zu West etwas schwierig. Hatte er auf seinem Postamt in Chemnitz bereits Stunden auf eine Leitung für sein Gespräch nach Hanau warten müssen, erreichte er endlich mein Sekretariat – allerdings nur um die Antwort zu erhalten „Herr Lach ist augenblicklich nicht da – rufen Sie doch bitte nochmals in fünf Minuten an…“

Ehrung des Gründungsteams der ersten Stunde (v.l. Reiner
Weiss, Dieter Miton, Horst Lach, Jörg Hänel, Bernd Straube) während der Schlüsselübergabe 2012 zum dritten Bauabschnitt. © Lach Diamant

Naja – wir sind dann doch zusammengekommen – und er brachte auch gleich zwei neue Mitarbeiter mit: Herrn Jörg Hänel und Herrn Dieter Miton. Für diese drei hatten wir in Hanau einen „autarken“ Schleifservice eingerichtet. In der Zeit vom 4. Februar 1991 bis zum 8. November des gleichen Jahres wurden sie auf die Umsetzung des Schleif- und Schärfdienst entsprechend der Vorgabe „Lach Diamant goes Sachsen“ geschult und auf die Neugründung einer Betriebsstätte in Sachsen vorbereitet. Am 15. November war es dann soweit: Herr Straube hatte in Oberlichtenau bei Chemnitz passende Räumlichkeiten für die Aufnahme des Dia-Service-Betriebes gefunden. Herr Weiß, der bis dahin im Forschungsbetrieb der Heckert-Werke Dienst tat, komplettierte diese Erst-Belegschaft.

Die komplette Fertigungslinie wurde nach China transportiert

"Alles war gut – ja war es gut?“ Nein, dem war leider nicht so – die erwarteten Schärfaufträge vom neuen Barkas-Werk in Chemnitz fehlten – konnten nicht kommen! Was war geschehen? In Anlehnung an mir schon vor Jahrzehnten zugängliche Berichte sollte mein Text und Erklärung hierzu wie folgt weitergehen: „Die besagte neue Linie war zwischenzeitlich – von der Treuhand oder von VW -?- wieder abgebaut und nach China transportiert worden – mitsamt aller poly-Schneiden“. Beim Niederschreiben dieses Satzes kamen mir jedoch Zweifel, ob diese These einer heutigen Überprüfung standhalten würde – deshalb bereits das Fragezeichen. Bei einer sich anschließenden, umfangreichen Recherche stieß ich unter anderem auch auf einen Bericht von Prof. Dr. Peter Kirchberg „Die Implantation des VWMotors in den DDR-Automobilbau.“ Daraufhin ins persönliche Gespräch gekommen, schloss er vehement aus, dass diese Viertakt-Motor-Linien, wenn auch schon nicht auf dem letzten Stand, von VW – und erst recht nicht von der Treuhand nach China verkauft worden sein könnten.

Dieter Miton während der Einarbeitung für den Start in Sachsen an einer
LACH EDG-Maschine. © Lach Diamant

Dieter Miton während der Einarbeitung für den Start in Sachsen an einer
LACH EDG-Maschine. © Lach Diamant

Der Betriebsleiter Werk Sachsen, Herr Dipl. Ing. Straube, brachte mich letztendlich auf die wohl richtige Spur: Wikipedia – Stichwort VEB Barkas Werke (übrigens auch hier ein Literatur Hinweis auf Prof. Dr. Peter Kirchberg). Hier heißt es unter anderem nach Inbetriebnahme der Linie für die Fertigung der VW-Motore 1,1 beziehungsweise 1,3 „… bis 1991 wurden 200.000 Rumpfmotoren gebaut, die ab 1988 im Wartburg eingebaut wurden…“ Bis 1991 wurden demnach Motoren nach VW-Lizenz bei Barkas zum Einbau im Wartburg und Trabant gebaut. Nach Öffnung der Mauer begann der „Run“ auf West-Autos – die ehemalige DDR-Automobilfertigung kam erstmal zum Stillstand.

Lach Diamant als Pionier in Sachen

Nach meiner Einschätzung dauerte es zwei bis drei Jahre bis die unter dem Namen Volkswagen Sachsen GmbH, als hundertprozentige VW-Tochter die Fertigung wieder aufnahm. Allerdings – für das um Arbeit suchende Werk Lach Diamant in Sachsen war das Ergebnis gleich – ob China oder „Motorenwerk Barkas“ – man hatte zu diesem Zeitpunkt Ende 1991 keine Aufträge zu vergeben.
Schöner Schleif-Betrieb was nun? Herr Ing. Günter Hobohm, seinerzeit Verkaufsleiter bei Lach, wusste Rat. In Verhandlung mit VW Salzgitter erhielt er die Zusage, dass wir wöchentlich ein Kontingent Schneidplatten zum Nachschleifen erhalten können. Nur abholen und wiederbringen sollten wir. So geschah es, dass Herr Straube in der Anfangszeit wöchentlich einmal mit seinem Wartburg Zweitaktmotor nach Salzgitter fuhr – und – Lach Diamant goes Sachsen aufrecht erhielt. Auch die letzten Zweifler in Hanau, wenn es die wirklich je gegeben haben sollte, merkten so langsam was die fleißigen Sahsen so alles auf die Beine stellen können. – ja irgendwann waren sie bei ihrem Personalwachstum mit ihrer Aufgabe als „bloßer Service-Betrieb“ nicht mehr so zufrieden und begannen auch Neuwerkzeuge zu fertigen. Natürlich mit Erfolg.

Lach Diamant Werk Sachsen heute nach dem 3. Bauabschnitt. © Lach Diamant

Wie auf Zuruf machte sich ein vorausblickender Bürgermeister – Herr Eberhard Meyner von der Gemeinde Lichtenau – bemerkbar, der so lange „bohrte“ bis sich die Geschäftsleitung von Lach „erweichen“ ließ, in dem von ihm frisch geschaffenen Industriegebiet ein schönes Stück Land zum Bau einer Werkhalle für den Betrieb „Lach Diamant Werk Sachsen“ zu erwerben. Der Bezug der ersten Halle konnte im Juli 1997 erfolgen – es sollten noch zwei weitere Bauabschnitte folgen.

Eine erfolgreiche deutsch-deutsche Geschichte hat damit dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung offenbart: „Es wurde Zeit, dass die Mauer fiel!“ Das Lach-Werk Sachsen hat in den letzten dreißig Jahren zu unserem Ruf als Pionier und Innovator bei der Umsetzung unserer Ideen für die Automobil-Industrie, Windkraft und Flugzeugindustrie – nur als Beispiele – in aller Welt zu fertigen, beigetragen. Das Kapitel „Lach Diamant goes Sachsen“ möge als ein weiteres Beispiel „deutsch-deutscher Automobil-Industrie“ gelten.

Weiterführende Information
  • Erschienen in FORM + Werkzeug 03/2018

    Stanzmesser mit PKD-Beschichtung

    Verschleißschutz von Lach Diamant

    Die Wahl, den polykristallinen Diamanten nicht nur für die Zerspanung von NE-Metallen, sondern auch für den Verschleißschutz einzusetzen,...   mehr

    Lach Diamant Jakob Lach GmbH & Co. KG

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Lach Diamant Jakob Lach GmbH & Co. KG

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