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04.03.2015

(Noch) kein Berufsbild

„Verfahrensmechaniker additive Fertigung“

Großes industrielles Potenzial unter den additiven Verfahren: Laserschmelzen mit Metallen (Bild: Concept Laser)

Additive Fertigungsmethoden wie die Stereolithografie, selektives Laserschmelzen, selektives Lasersintern, Fused Deposition Modeling, Laminated Object Modelling, 3D-Druck sowie Kaltgasspritzen werden eingesetzt bei der parallelen Fertigung sehr kleiner Bauteile in größeren Stückzahlen, für Unikate oder in der Kleinserienfertigung von Teilen mit einer hohen geometrischen Komplexität, auch mit zusätzlicher Funktionsintegration. Das Wachstumspotenzial von Bauteilen, die gedruckt, statt gegossen, gespritzt, gefräst oder gestanzt zu werden, wird von Designern, Konstrukteuren und Fertigungsingenieuren zunehmend erkannt. In der letzten Dekade entwickelten sich die Verfahren zu industriellen Fertigungsstrategien. Nicht ohne Grund hat die EU die additiven Fertigungsmethoden als besonders förderungswürdige und strategische Produktionsmethoden Europas identifiziert. Impulssetzende Industrien sind beispielsweise die Luft- und Raumfahrt, Medizin- und Dentaltechnik und Rapid-Technologien. Momentan kann man einen Paradigmenwechsel beobachten, bei dem, neben den klassischen Fertigungsmethoden, die additiven Verfahren neue konstruktive Strategien in den Bereichen Bionik oder Leichtbau in Bauteile einfließen lassen. Der bisherige Ansatz eines Rapid Prototyping wird nun durch industrielle Bauteilentwicklungen im kleineren und mittleren Losgrößensegment ergänzt.

Quereinsteiger statt Ausbildung

Berufsausbildung als Motor des Fortschritts: Wann kommt der „Verfahrensmechaniker additive Fertigung“? (Bild: Concept Laser)

In der Praxis beschäftigen sich heute ausschließlich Quereinsteiger, wie Ingenieure oder Praktiker, mit additiver Fertigung und additiver Anlagentechnik. Ausgebildet wurden sie in klassischen Verfahren. Weder an Hochschulen, Fachhochschulen oder Berufsschulen sind derzeit additive Verfahren hinreichend abgebildet oder Teil der Ausbildungspläne. Gerade im Hinblick auf die zukünftige Bedeutung von additiven Fertigungsstrategien wäre eine fundierte Ausbildung an den Berufsschulen einer der Schlüssel, um additive Verfahren in die Breite zu tragen und den Erfahrungshorizont weiter auszubauen. Die zukünftige Penetration im Markt lässt einen hohen Bedarf an gut ausgebildeten Mitarbeitern heute schon erkennen. Der in der industriellen Realität zu beobachtende Fachkräftemangel bereits für klassische, langjährig etablierte Verfahren ist für ein zukunftsweisendes, neues Verfahren eine unnötige Begrenzung. Für die Berufsausbildung wäre der „Verfahrensmechaniker additive Fertigung“ eine gute Ausgangsbasis zur Fortschreibung des bisherigen Erfahrungsniveaus. Zweifellos ergeben sich schon heute Chancen zur Wertschöpfung durch additive Fertigungen, die mittelfristig deutlich stärker zum Zuge kommen werden. Wenn wir Ausbildung als Keimzelle und Motor des Fortschritts begreifen, werden wir an einer Frage nicht vorbeikommen: Wann kommt der „Verfahrensmechaniker additive Fertigung“?

Der Autor:
Guido Radig, freier Journalist, arbeitet für Industrieunternehmen in den Branchen Werkzeug- und Formenbau, Laser & Additiv-Technologie, Automatisierung und Rapid Prototyping, Kunststoffverarbeitung und Kunststoff-Maschinen.

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